Der Ackerschachtelhalm
(Equisetum arvense)
Schachtelhalme sind „lebende Fossilien“ aus einer Zeit, als riesige Wälder aus ihnen bestanden und sie 30 m hochwuchsen. Heute kennen wir vor allem den Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense). Doch diese unscheinbare Pflanze, die zu Unrecht als Ackerunkraut abgetan wird, ist eine erstaunliche Heilpflanze.
Die besondere Chemie des „Zinnkrauts“
Der Ackerschachtelhalm ist auch als „Zinnkraut“ bekannt. Diese Bezeichnung verweist auf eine ungewöhnliche Eigenschaft: Der hohe Kieselsäuregehalt macht die Pflanze abrasiv – früher nutzte man sie deshalb zum Reinigen von Zinngeschirr. Doch genau diese Kieselsäure ist auch der Grund für ihren medizinischen Wert.
Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind unter anderem:
• bis zu 10 % Kieselsäure,
• Flavonoide,
• viele Mineralien,
• sowie eine geringe Menge an Alkaloiden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse: Mehr als nur Tradition
Die Kombination der Inhaltsstoffe wirkt vielfältig. Neueste Studien bestätigen, dass Schachtelhalm antimikrobielle Wirkungen besitzt – z. B. gegen S.aureus, K.pneumoniae, E.coli, C.glabrata und E.arvense (1). Auch immunmodulierende Effekte sind belegt (2). Die diuretische (harntreibende) Eigenschaft bei sehr guter Verträglichkeit ohne Veränderung der Elektrolytausscheidung wurde bestätigt (3). Ein Polyphenol-haltiger Extrakt zeigte zellschützende, antioxidative Eigenschaften (4) (Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe). Diese Befunde untermauern, warum die Pflanze in der Praxis weiterhin relevant ist – auch wenn sie häufig übersehen wird.
Einsatzgebiete in der Praxis: von Harnwegen bis Haut
Der Ackerschachtelhalm wird in der Heilpflanzenkunde vor allem bei Durchspülungstherapien eingesetzt – also zur Unterstützung bei Entzündungen der ableitenden Harnwege. Ebenso wird er bei Nierengrieß, Ödemen und schlecht heilenden Wunden verwendet.
Darüber hinaus findet der Schachtelhalm in der Erfahrungsheilkunde weitere Einsatzbereiche, darunter:
• Leichte Katarrhe der Atemwege
• Gicht und Rheuma
• Blutstillung
• Krätze
• Blähungen und Durchfall
• (historisch) Tuberkulose
Neben der medizinischen Nutzung ist der Ackerschachtelhalm heute ein beliebter Inhaltsstoff in der Naturkosmetik. Die enthaltene Kieselsäure gilt als stärkend für Haut, Bindegewebe, Haare und brüchige Nägel (5) – ein weiterer Beleg dafür, dass diese „Unkrautpflanze“ viel mehr kann, als man auf den ersten Blick vermutet.
Die moderne Naturkosmetik bedient sich in zunehmendem Maß des Schachtelhalms zur Stärkung von Haut, Haaren und brüchigen Fingernägeln.
